Der Dioxinwall verschwindet bald

07-dioxinhuegel1.jpgEine wichtige gute Nachricht besonders für jene Neuschlößer, die direkt am Sodabuckel wohnen: Der Dioxinwall wird nun doch nicht erst mit der Gesamtsanierung des Sodabuckels beseitigt, sondern schon früher. Stadt und Land haben sich darauf verständigt, die wahrscheinlich größte Gefahr, die von der gesamten Ablagerung ausgeht, schon während der Sanierung der angrenzenden bewohnten Grundstücke zu beseitigen – also voraussichtlich im Jahr 2010. Der Einigung vorangegangen sind zahlreiche Gespräche des Projektbeirats und des Vereins Altlasten Neuschloß hinter den Kulissen, unter anderem mit dem hessischen Umweltministerium, dem Regierungspräsidium, dem Kreisgesundheitsamt, der Stadtverwaltung, den Sanierungsplanern und politischen Vertretern von Ortsbeirat, Stadt und Land. (Zum Sodabuckel siehe auch unsere Fotostrecke Blick hinter den Zaun.)

Und so sieht die Einigung aus: Das Land lässt den Dioxinhügel abtragen – und die Stadt ist damit einverstanden, dass das Material im mittleren Teil des Sodabuckels eingebracht und gesichert wird. Zunächst hatte das Land geplant, auf den angrenzenden bewohnten Grundstücken während des fünften Sanierungsabschnitts die Erde drei Meter tief auszutauschen. Die mächtige Baugrube hätte mit einem Verbau (Spundwand) aufwendig gegen den Dioxinwall gleich nebenan gesichert werden müssen.

Projektbeirat und Stadt haben in Gesprächen mit den Sanierern daraufhin gedrungen, auf diesen Verbau zu verzichten – und das Geld stattdessen besser für einen Abtrag des Dioxinwalls zu verwenden. Die Idee überzeugte letztlich alle Seiten. Das Land bezahlt also nicht eine Spundwand, die nur kurz gebraucht worden wäre, sondern die Beseitigung des Walls – nach der eine aufwendige Absicherung der Baugrube nicht mehr nötig ist; sie kann einfach angeböscht werden.

Mit diesem Vorgehen wird etwa ein Drittel der Südflanke des Sodabuckels saniert. Der Dioxinwall liegt zwischen dem Bolzplatz und den nordöstlichen Buchenweg-Grundstücken. Die Sanierungsplaner gehen davon aus, dass sie etwa 600 Kubikmeter hochgradig mit Dioxin belastete Erde und weitere 400 Kubikmeter Erde abtragen müssen, um die nötige Böschung zu erzeugen.

Das Dioxin kommt oben auf den Hügel

Das vergiftete Material wird in eine Mulde im oberen Teil des Sodabuckels gebracht. Die Fläche dort ist 1.170 Quadratmeter groß. Im Schnitt kann etwa zwei Meter hoch aufgefüllt werden. Darauf kommen ein Vlies und eine 40 Zentimeter dicke Erdschicht; das soll dafür sorgen, dass der Wind die Gifte nicht herumweht und Tiere wie Wildschweine das Dioxin nicht aufwirbeln.

Lieber wäre dem Projektbeirat natürlich eine Entsorgung in einer Deponie gewesen – doch das hätte ein Vielfaches der Kosten verursacht und die aktuelle Lösung unmöglich gemacht. In der Folge wäre damit der völlig ungesicherte Dioxinwall noch viele Jahre direkt neben den Gärten im Buchenweg liegen geblieben – die deutlich schlechtere Alternative.

Die Änderung in der Planung steht nicht im Widerspruch zu der Entscheidung der Stadtverordneten, es dürfe kein belastetes Material aus der bewohnten Altlast auf dem Sodabuckel gebracht werden. Die vergiftete Erde aus den bewohnten Grundstücken wird selbstverständlich mit Lastwagen in Deponien gefahren und dort entsorgt. Lediglich das Material, das vom Sodobuckel selbst kommt (also nicht aus der bewohnten Altlast), wird an eine andere Stelle auf dem Sodabuckel verlagert.

Im Übrigen wird genau das auch das Prinzip der geplanten Sicherung des Sodabuckels sein, für die die Stadt verantwortlich ist: An den Rändern wird man Erde abtragen und in die Mitte bringen müssen, damit eine Halbkugel entsteht, von der aus das Wasser ablaufen kann. Auf den so modellierten Hügel kommt ein Vlies und saubere Erde. Je dicker diese Erdschicht ist, desto teurer ist die Sanierung, aber desto vielfältiger sind die Nutzungsmöglichkeiten für den neuen Sodabuckel. Hier entscheidet sich beispielsweise, ob es wieder einen Wald geben kann oder nicht.

Der Sodabuckel steht nun auf der Tagesordnung

Nachdem die lokale Politik der Sanierung des Sodabuckels lange Zeit wenig Beachtung schenkte, hat sich nicht nur mit der Dioxinwall-Lösung einiges getan. Wir gehen davon aus, dass dazu ein Beschluss des Ortsbeirats beigetragen hat – und ein Brief des Projektbeirats mit deutlichen Worten an die Stadtverordneten. Damals stellten wir drei Fordungen:

Wir erwarten, dass die Stadtverordnenten
- sich informieren und sich in das Thema Altlastensanierung gründlich einarbeiten. Wichtig ist in diesem Zusammenhang der städtische Arbeitskreis Altlasten, der von der Politik ernst genommen werden muss – und nicht etwa abgeschafft gehört,
- zügig eine Strategie ausarbeiten, wie es mit dem Sodabuckel weitergeht,
- den Neuschlösser Bürgern einen Zeitplan präsentieren, aus dem zuverlässig hervorgeht, wann der Sodabuckel gesichert wird – damit das Gefährdungspotenzial verschwindet.

Inzwischen arbeitet die Stadtverwaltung an der Sanierungsplanung, und die Stadtverordneten haben entsprechende Mittel im kommunalen Haushalt dafür zur Verfügung gestellt. Auch ein Zeitplan liegt vor, wie der Sanierungsfachmann der Stadtverwaltung, Stephan Frech, berichtet: Nach seinen Angaben soll die Gesamtsicherung des Sodabuckels im Jahr 2012 beginnen. Damit sind wir heute entscheidend weiter als vor einem Jahr. Nur der Arbeitskreis Altlasten wird nach wie vor zu wenig ernst genommen – er tagt kaum mehr.


 
 
 

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