“Auf dem Bau ist nichts unmöglich!”

Im Namen von Ortsbeirat, Projektbeirat und Verein Altlasten Neuschloß stellte Carola Biehal beim Festakt zum baldigen Abschluss der Sanierungsarbeiten fest: “Heute ist ein ganz besonderer Tag!” Wir dokumentieren ihr Grußwort.

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Jahrzehnte sind vergangen, seit sich die ersten Hinweise im Jahre 1988 auf massive Bodenkontaminationen in Neuschloß bestätigten. Nun liegt vieles hinter uns.

Ganz am Anfang
• die Angst vor dem Ungewissen,
• das Erkennen und Annehmen der Gefahr.

Dann
• die langjährige Erkundung und die immer wieder veränderte Darstellung der Gefahr,
• die Auseinandersetzung mit dem Hessischen Abfallgesetz, mit dem Hessischen Altlastengesetz (ab 1989) und letztendlich mit dem Bundesbodenschutzgesetz (01.03.1999),
• die Gründung des Projektbeirats im Jahre 1995, basierend auf dem hessischen Altlastengesetz. Er wurde als einziger Projektbeirat in Hessen öffentlich gewählt und wird auch durch die Gesetzesänderung der Einzige in dieser Form bleiben. Schade, weil dadurch die Synergieeffekte eines Erfolgsmodels nicht mehr genutzt werden können.

Dann
• die Gespräche, Anhörungen und Diskussionen zum Sanierungsplan,
• der Kampf um unsere Existenz,
• der Kampf um unsere Gesundheit,
• die Streitgespräche um die Höhe der Eingriffswerte,
• die Ausarbeitung der rechtlichen Grundlagen zum Sanierungsvertrag und die daraus folgenden Verhandlungen mit den Behörden,
• viele Behördenarbeitskreissitzungen, mit zum Teil heftigen Streitgesprächen.

Dann
• die Gründung des Altlastenvereins. Als juristische Person stellt er den Vertragspartner für den allgemeinen Sanierungsvertrag dar,
• und schließlich die Unterzeichnung des Sanierungsvertrags.

Damals waren wir erleichtert, endlich die Grundlagen zur Sanierung unserer Grundstücke rechtlich abgesichert zu haben. Aber ein flaues Gefühl vor dem Unvorhersehbaren blieb bestehen.

Nun folgten die oftmals über Monate andauernde Verhandlungen bezüglich der Einzelvereinbarungen des eigenen Grundstückes. Bis ins Detail musste festgelegt werden, wie die Grundstücke nach der Sanierung wiederhergestellt werden -und das zwei bis drei Jahre im Voraus.

Mit der Pilotsanierung, im Jahre 2003, begann der schwierigste Weg für uns, den Bewohnern der kontaminierten Grundstücke. Das hessische Altlastengesetz bezeichnet sie als Zustandsstörer. Aber wer stört, wer wird gestört oder was hat stört? Grundstückseigentümer, Hausbewohner, Betroffene, Mitarbeiter der Behörden, die Verantwortlichen der Sanierungsfirmen, Bauarbeiter, Maschinen, Lärm, Staub, in den ersten Sanierungsabschnitten die Folie ums Haus, das Zittern der Häuser?

In jedem Sanierungsabschnitt gab es viele, immer wieder andere Probleme. Aber weniger bei der Sanierung (wenn man vom Anbohren der Gasleitung absieht), als bei der Wiederherstellung, die eine reine Baumaßnahme darstellt. Aber wie sagt man so schön? “Auf dem Bau ist nichts unmöglich!” Und so ist es, wir haben es erlebt und erleben es noch:
• Nerven lagen blank,
• Emotionen wurden frei gesetzt,
• laute Auseinandersetzungen folgten,
• Tränen sind geflossen.

Aber Lösungen wurden gefunden, manchmal Kompromisse, manchmal hat auch unsere rechtliche Vertretung zum Ziel geführt. Alles in Allem können wir heute sagen, die Angst, die Ungewissheit, der Krach, die Wiederherstellungsprobleme und der damit verbunden Ärger sind wirklich nur vorübergehend.

Gehen wir durch die Straßen der ersten drei Sanierungsabschnitte und teilweise auch schon im vierten, so sehen wir eine neu gestaltete Siedlung. Viele Neuschlößer haben die Gelegenheit genutzt zu modernisieren, einige auch an- oder umzubauen. Wir können stolz sein, denn das war das einzig Gute an der Altlast.

Unsere Gärten sind nun frei von Schwermetallen und Dioxinen. Nur durch den unermüdlichen Einsatz Aller konnte dieses Sanierungskonzept so umgesetzt werden! Und deshalb möchte ich mich im Namen der Neuschlößer Bürger bedanken:
• bei den politischen Vertretern aller Parteien, die uns in der Anfangsphase besonders unterstützt haben und die Sanierung überhaupt möglich gemacht haben. Denn wir wissen, dass hier der politische Wille gezählt hat,
• bei unserem heutigen Bürgermeister, Erich Maier, der immer zu seinem Wort gestanden hat,
• bei den Vertretern der Behörden, die es nicht immer leicht mit uns hatten,
• bei den Mitarbeiter des Bürgerbüros, die als Vermittler eine große Aufgabe hatten und haben,
• bei den Mitarbeitern von CDM, dem Ingenieurbüro, die vom ersten Gutachten bis heute die Sanierung begleiten,
• bei allen ausführenden Firmen, für die die Aufgabe immer wieder eine Herausforderung war,
• bei allen Arbeiter, die hier waren. Manchmal gab es auch Kuchen und Kaffee, so dass man uns Neuschlösser auch liebevoll in Erinnerung behalten könnte,
• bei den Mitarbeitern der Sanierungsfirma HIM-ASG, als Stellvertreter für alle der Projektleiter vor Ort, Ulrich Urban. Er hat so viele Stunden in und für Neuschloß verbracht, dass er eigentlich schon ein Neuschlößer ist,
• und last but not least bei den Mitstreitern im Ortsbeirat und PAN-Altlastenverein. Besonders möchte ich hier Herrn Ohl, Herrn Peter, Herrn Kirmeier und Herrn Lenhardt erwähnen.

Festakt zum baldigen Ende der Sanierung

Neuschloß feiert das Ende der Altlastensanierung – auch wenn die Bagger noch einige Monate unterwegs sein werden. Der Projektbeirat berichtet live vom Festakt.

12.10 Uhr:
Der symbolische Schlussakt: Kinder ziehen den letzten kleinen Bagger weg.

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12.05 Uhr:
Der Kindergarten Neuschloß hat ein Lied gedichtet: “Wir feiern, dass Ihr’s alle wisst, dass die Sanierung nun zu Ende ist.” – “Herr Urban hat uns auch erklärt, wie man einen Bagger fährt.”

12.00 Uhr:
- Erich Maier dankt allen Mitarbeitern der Stadtverwaltung – stellvertretend dem Geologen Stephan Frech. Applaus.

11.50 Uhr:
- Der langjährige, ehemalige Ortsvorsteher Gottlieb Ohl hat am Vorabend den Papst im Bundestag gehört und die Bibel gelesen. Auch die Versailler Verträge. All das hat mit Neuschloß zu tun.
- Ohl räumt ein, die Altlasten nach seinem Amtsantritt zunächst unterschätzt zu haben. Nach einem halben Jahr intensiver Beratung durch die Bürgerinitiative sei ihm klar geworden: “Hier kommt eine gewaltige politische und menschliche Aufgabe auf uns zu.”
- Der bisher einzige emotionale Moment: Ohl erinnert daran, dass die Stadtführung nicht immer das Problem der Altlasten offensiv angegangen ist. Erich Maier habe am Abend vor seiner erstmaligen Wahl als Bürgermeister angekündigt, sich um die Sache zu kümmern. Das sei mit seiner Amtsübernahme auch geschehen: “versprochen und gehalten”. Langer, aufrichtiger Applaus im Festzelt.
- Ohl rügt, dass Projektbeiräte seit einer Novelle nicht mehr im hessischen Altlastenrecht verankert sind. Er trommelt für ein Altlasten-Museum im Neuschlößer Schloss.
- Noch ein emotionaler Moment mit Applaus: “Was die Frau geleistet hat, ist fantastisch.” – Ohl über Carola Biehal.

11.40 Uhr:
- Der HIM-ASG-Projektleiter Ulrich Urban stellt mit viel Humor ein Projekt vor, das offenbar von vielen Außergewöhnlichkeiten geprägt ist. Er vergisst nicht das Problem mit der roten Wäscheleine.

11.35 Uhr:
- Birgit Schmitt-Biegel von der Geschäftsführung der HIM-ASG lobt, dass die Kosten der Sanierung (im Gegensatz zu anderen Bauprojekten) im Rahmen geblieben sind.

11.30 Uhr:
- Die Vorsitzende des Projektbeirats Altlasten Neuschloß (PAN) und des Verein Altlasten Neuschloß erinnert daran, dass es Überzeugungsarbeit brauchte, damit die Bürger die Altlasten und die damit verbundenen Gefahren für sich anerkannten.
- “Wir wünschen niemanden, sich mit Sanierungsvorschriften auseinandersetzen zu müssen – wir mussten es tun.”
- Der Projektbeirat in Neuschloß ist der einzige von hessischen Bürger gewählte – und nach einer Gesetzesänderung auch der Letzte.
- Der Ärger geht vorüber. Wir sehen heute eine neu gestaltete Siedlung. Viele Anwohner haben ihre Häuser gleich mit modernisiert – das war das einzig Gute an der Altlast.

11.10 Uhr:
- Regierungspräsident Johannes Baron regt an, etwas Dauerhaftes zu entwickeln, das die Sanierung dokumentiert.
- Weiter sehr gründlich getreu dem Motto von Kurt Tucholsky: “Immer gib ihm Historie, immer gib ihm.” (Ratschläge für einen schlechten Redner) Los geht’s vor etwa 200 Jahren.
- Etwa eine Viertel Stunde später: Wir nähern uns der Jahrtausendwende. Zuhörer vor dem Festzelt erinnern sich an politische Forderungen, die Regierungspräsidien aufzulösen.
- Nun geht’s um die Grundzüge der “grundstücksbezogenen Einzelvereinbarungen”.
- “Nach acht Jahren ist jetzt der Bodenaustausch abgeschlossen. Vielleicht wird die ein oder andere Nachbesserung noch folgen. Das Gift ist weg – und das Haus noch da.”

11.00 Uhr:
- Der Staatssekretär im Hessischen Ministerium für Umwelt, Energie, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, Mark Weinmeister (CDU), beschreibt die Neuschlößer Altlastensanierung als filmreif.
- “Neuschloß ist auch schöner geworden.”

10.45 Uhr:
- Bürgermeister Erich Maier begrüßt die Gäste und vermisst – mit sehr deutlichen Worten – die hessische Umweltministerin.
- Maier lobt den Sanierungsvertrag zwischen Verein Altlasten Neuschloß, Stadt und Land. Er deckelt den Anteil von Grundstückseigentümern und Stadt an den Kosten zur Sanierung.
- Obwohl der Bürgermeister sagt, er nenne nicht viele Namen, nennt er viele Namen. Sein Dank geht unter anderem an den HIM-Projektleiter Ulrich Urban und dem Bürgerbüro-Team sowie den früheren und aktuellen Vorsitzenden des Projektbeirats, Ralf Peter und Carola Biehal. Nicht vergessen wird Ex-Ortsvorsteher Gottfried Ohl.
- Maier ruft die Bürger zum Feiern auf als Dank für die Geduld.

10.35 Uhr:
- Die jüngsten Bewohner erfreuen das Festzelt: Die Mädchen und Jungen des Kindergartens tragen ein Lied vor.

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Carola Biehal bleibt Vorsitzende im Verein

Carola Biehal bleibt Vorsitzende des Altlastenvereins. Die Mitglieder haben den kompletten Vorstand für zwei weitere Jahre bestätigt. Biehal war einige Tage zuvor im Ortsbeirat zur Ortsversteherin gewählt worden. Sie geht nicht davon aus, dass sich beide Ämter in die Quere kommen könnten: “Die Ziele sind die Gleichen”, sagte sie in der Mitgliederversammlung im Neuschlößer Gasthaus “Kurpfalz”.

Es gelte, jetzt den Sodabuckel nicht aus den Augen zu verlieren. Bürgermeister Erich Maier will mit Blick auf die Finanzlage der Stadt die geplante Sanierung um zwei bis drei Jahre verschieben. “Wir sehen dieser Entwicklung mit Sorge entgegen”, sagte Biehal.

Die Arbeiten im Wohngebiet schreiten derweil voran: Im August soll auf dem letzten Grundstück die Erde ausgetauscht sein, berichtete Ulrich Urban, Projektleiter vor Ort der HIM-ASG. Danach werden noch die Nebengebäude und Gärten errichtet, was sich vegetationsbedingt ins nächste Jahr ziehen kann. Vorsitzende Biehal machte deutlich, dass für den Verein noch das ein oder andere zu tun bleibt: “Die Sanierung ist zu Ende, wenn der Letzte die Rechnung hat und die Wiederherstellung abgeschlossen ist.”

Wenn dann doch alles vorbei ist und sich der Verein auflöst, gibt es für jene Mitglieder, die bis zum Schluss dabei bleiben, eine Belohnung: Die übrig gebliebenen Beiträge werden wieder ausgezahlt. Und damit die Wartezeit nicht ganz so schwer fällt, stimmte die Mitgliederversammlung dem Vorschlag des Vorstands zu, von sofort an auf die Gebühr zu verzichten. “Wir haben eine gute Basis, um noch agieren zu können”, sagte Kassenwart Günter Kirchenschläger, als er die Finanzlage des Vereins darstellte.

Aufmerksam beobachten will der Vorstand den Verlauf und die Ergebnisse der aktuellen Grundwasseruntersuchung. Auf deren Grundlage soll im Herbst entschieden werden, ob und wann die laufende Sanierung eingestellt wird. Es müsse verhindert werden, dass hier vorwiegend aus Sparzwängen heraus entscheiden werde, warnte Biehal.

Der wiedergewählte Vorstand auf einen Blick: Carola Biehal bleibt die erste Vorsitzende, Dr. Günter Weidenauer zweiter Vorsitzender und Michael Bayer dritter Vorsitzender und Pressesprecher. Den Vorstand komplettieren Schriftführerin Gabriele Klos, Kassenwart Günter Kirchenschläger sowie Beisitzerin Helga Irrgang und Beisitzer Horst Irrgang. Das Mandat des Vorstands läuft über weitere zwei Jahre. Der alte und neue Vorstand in Personalunion dankt für das Vertrauen.

Die Baustelle zum Jahresbeginn

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Anwohner-Treffen am 20. Januar

Im Alten Lorscher Weg und im Erlenweg ist die belastete Erde entfernt. Garagen, Nebengebäude und Gärten werden oder sind schon wieder hergestellt. Zur gleichen Zeit graben schon die Bagger im Buchenweg auf den Grundstücken entlang des Sodabuckels. In Neuschloß läuft die heiße Endphase in der Sanierung. Grund genug für Projektbeirat und Altlastenverein, die Anwohner aus dem vierten und fünften Abschnitt zum Meinungsaustausch einzuladen.
Wir würden gerne hören, was aus Ihrer Sicht gut läuft, was besser klappen sollte – und an welchen Stellen wir Sie unterstützen können. Das Treffen am Donnerstag, 20. Januar, beginnt um 19.30 Uhr in der Gaststätte Kurpfalz, Forsthausstraße 7.
Aus den bisherigen Abschnitten wissen wir, dass vor allem in den Details der Wiederherstellung der Teufel liegen kann. Dann ist Fingerspitzengefühl bei allen Beteiligten gefragt, zur Not auch hartes Verhandlungsgeschick. Hier interessieren uns Ihre Probleme.
Dass in diesem Winter Arbeiten in zwei Sanierungszonen gleichzeitig laufen, brachte zeitweise unerwarteten Ärger: Es fehlten schlicht fertige Gehwege, an denen die Anwohner ihre Fahrzeuge abstellen konnten. Unserer Beobachtung nach hat sich die Lage inzwischen entspannt. Sehen Sie das genauso? Wir freuen uns auf einen offenen Austausch über diese und andere Themen.

Sodabuckel wird ergänzend untersucht

Die Untersuchungen zur Gefahrenabschätzung des Sodabuckels werden ergänzt. Das ist das Ergebnis eines Fachgesprächs zwischen dem Projektbeirat Altlasten Neuschloß (PAN), der Stadtverwaltung und Berthold Meise, dem technischen Leiter Altlasten beim Regierungspräsidium (RP) Darmstadt. Konkret soll ein weiterer Brunnen gebohrt werden, mit dem Ingenieure Proben nehmen können.

Deren Analyse soll bestätigen, dass der Sodabuckel das Grundwasser tatsächlich nur soweit belastet, dass die gutachterliche Empfehlung zur Sanierung genügt. Der PAN hatte in einem Brief an die Vorsitzenden der Fraktionen in der Stadtverordnetenversammlung, den Ortsbeirat, den Forst und die Verwaltung kritisiert, dass die bisher vorliegenden Daten möglicherweise nicht ausreichen, um über eine Sanierungsvariante guten Gewissens zu entscheiden. Daraufhin stoppte die Verwaltung die Entscheidungsfindung im Stadtparlament. In einem ersten Treffen tauschten die Autoren des Sodabuckel-Gutachtens, Bürgermeister Erich Maier, Frech und PAN ihre Positionen aus.

RP-Experte Meise befürwortete nun am Donnerstag im Lampertheimer Stadthaus aus Gründen der Planungssicherheit die weitere Messstelle. Er geht davon aus, dass nach der Auftragserteilung die bewerteten Untersuchungsergebnisse innerhalb weniger Wochen vorliegen. Die Kosten dafür liegen in solchen Grenzen, dass keine neuen Mittel bereit gestellt werden müssen.

“Wir freuen uns über diese Lösung”, sagte Carola Biehal, die Sprecherin des Projektbeirats. Der Anwohnervertretung sei es stets wichtig gewesen auszuschließen, dass sich nach einer Sanierung des Sodabuckels zeige, dass die Arbeiten nicht weitgehend genug waren – und von vorne beginnen müssen. Die bald größere Datenbasis mache ein solches Horrorszenario für die Anwohner und städtischen Finanzen unwahrscheinlich.

Blicken Sie hinter den Zaun des Sodabuckels – unsere Bildersammlung.

ICE-Trasse – das große Nebenthema

Die Bila stellt dem Regierungspräsidenten die Bedenken gegen ICE-Gleise bei Neuschloß vor.Ortsvorsteher Gottlieb Ohl hat es getan, Bürgermeister Erich Maier ebenso und auch die Sprecherin des Projektbeirats, Carola Biehal: Sie nutzten den Promi-Aufmarsch in Neuschloß beim Sanierungs-Festakt, um auf die nächste große Gefährdung für den Stadtteil hinzuweisen – eine ICE-Trasse quer durch den Lampertheimer Wald und direkt an den Häusern vorbei. Eine kluge Aktion.
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Das Who is Who der Altlastensanierung

Promi-Auflauf in Neuschloß beim kleinen Festakt zum Start des vierten Sanierungsabschnitts. Schauen Sie mal, wer dabei war. Hätten Sie alle erkannt?

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Bilder: Michael Bayer

Zahlen und Fakten

Zwischenbilanz nach drei Sanierungsabschnitten und einem vorangegangenen Pilotteil: Das Regierungspräsidium hat eine bedruckende Zahlensammlung auf einem Faktenblatt zusammengestellt. Lesen Sie, wie viele Sattelzüge mit vergifteter Erde bisher Neuschloß verlassen haben oder wie viel vom Schwermetall Arsen aus dem Grundwasser gefiltert wurde.
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Ausnahmezustand in Neuschloß

Betreten der Baustelle - diesmal erwünscht“Betreten der Baustelle verboten”, gilt üblicherweise für die Baustellen-Bereitstellungsfläche an der Landesstraße. Diesmal verhält es sich genau andersherum: Betreten ist ausdrücklich erwünscht – für die Betroffenen der Altlastensanierung genauso wie für viel Prominenz aus Neuschloß, Lampertheim, Biebesheim, Darmstadt und Wiesbaden. Der Anlass: ein kleiner Festakt in einem Zelt. Eine illustre Runde erklärt den dritten Sanierungsabschnitt feierlich als beendet – und gibt zugleich die Arbeiten für den vierten Teil frei.

Regierungspräsident Johannes BaronRegierungspräsident Johannes Baron ist bis ins Detail informiert. Er plaudert aus dem Nähkästchen: Jene Messgeräte, die die Planer aus Angst vor einstürzenden Häusern am Wall zwischen Lindenweg und Erlenweg aufstellen ließen, hätten ihre Empfindlichkeit bewiesen und Alarm geschlagen – etwa wenn die Anwohner Nägel in die Wand hauten oder ihre Rollläden etwas zu schwungvoll runterließen. Baron verteilt viel Lob – unter anderem an den Projektbeirat und das Bürgerbüro “für die konstruktive Begleitung und Kommunikation der gemeinsam zu bewältigenden großen und sehr sensiblen Aufgabe”.

Anwohnern und Grundstückseigentümern dankt der Regierungspräsident für ihre Geduld, die sie seit Beginn der Sanierungsarbeiten bewiesen hätten und bis zum Abschluss der Arbeiten im Jahr 2011 noch aufbringen müssten. Ein Rundgang durch die Straßen habe ihm gezeigt, die Neuschlößer nutzten die Altlastenbeseitigung auch für eine “Sanierung des Erscheinungsbildes” – viele Anwohner verschönern im Rahmen der Wiederherstellung Garten und Haus zusätzlich aus eigener Tasche. Ein Aspekt, den später auch Lampertheims Bürgermeister Erich Maier anspricht: “Der Stadtteil Neuschloß war schon immer herausragend – nach der Sanierung wird er noch schöner.”

Referatsleiter Altlastensanierug im Hessische Umweltministerium, Mustafa DönmezFür das Hessische Umweltministerium spricht der Referatsleiter Altlastensanierug, Mustafa Dönmez - ein Freund von “Johannes” aus alten Tagen im hessischen Landtag, wie er sich vorstellt. Regierungspräsident Johannes Baron saß für die FDP im Parlament, Dönmez “für eine andere Partei”, sagt er – und meint die Grünen. Dönmez wortspielt, “in Lampertheim macht das Land Boden gut” – und verspricht, man werde dafür auch weiter die nötigen Mittel bereitstellen. Die Kosten habe man weitgehend im Griff, sie lägen etwa zehn Prozent über dem Ansatz.

Kein Dönmez ohne augenzwinkernde Provokation mit handfestem Hintergrund – so auch diesmal. Das Land habe ja schon mehrfach kleine Feiern ausgerichtet zum Abschluss von Sanierungsabschnitten. Für das große Fest am Ende aller Arbeiten sehe er nun die Stadt in der Pflicht. Bürgermeister Maier kontert geschickt zurück: ja, man werde die Feier ausrichten – und sie sogar noch größer machen, wenn es Dönmez tatsächlich mal gelinge, auch die Hessische Umweltministerin Silke Lautenschläger mitzubringen.

Ortsvorsteher Gottlieb OhlOrtsvorsteher Gottlieb Ohl, Parteikollege Barons, ergänzt, der Ortsbeirat plane schon ein Schlossfest mit Livemusik. Ohl erinnert, nicht alle, die für die Sanierung gekämpft haben, können die Umsetzung erleben. Die Frage aus frühen Diskussionen: “Muss man hier überhaupt sanieren?” beantworte die Menge der Gifte, die aus Boden und Grundwasser geholt werden.

Sanierungsplaner Ulrich Urban von der HIM-ASGSanierungsplaner Ulrich Urban von der HIM nennt die Größen: Er rechnet, dass am Ende 320 Tonnen an Schwermetallen abtransportiert wurden und 250 Gramm Dioxin – “schon ein Gramm Dioxin ist eine Dimension, die ist wahnsinnig”. Die Arbeiten würden sich minimal verzögern: “Ich denke, drei Monate länger kann man bei neun Jahren Sanierung akzeptieren.”

Bürgermeister Erich MaierErnste Worte spricht Bürgermeister Erich Maier: “Wir als Stadt Lampertheim haben hier große Verantwortung, weil wir in Neuschloß die Baugebiete ausgewiesen haben. Zu dieser Verantwortung stehen wir.” Bisher hat das die Stadt 14 Millionen Euro gekostet. Ortsvorsteher Ohl streicht den fairen Umgang mit Neuschloß ebenfalls heraus und dankt dafür.

Chefin der HIM-Sanierer, Birgit Schmitt-Biegel.Die Chefin der HIM-Sanierer aus Biebesheim, Birgit Schmitt-Biegel, erinnert an die Ursache allen Übels in Neuschloß. Die Sodafabrik (Volksmund) habe ein Jahrhundert lang gearbeitet. Jetzt brauchen die nachfolgenden Generationen ein Jahrzehnt, um die Überbleibsel zu sichern oder zu entfernen. Sie wünscht zudem einen unfallfreien Fortgang der Arbeiten.

Sprecherin des Projektbeirats und Vorsitzende des Altlastenvereins, Carola BiehalDie Sprecherin des Projektbeirats und Vorsitzende des Altlastenvereins, Carola Biehal, erinnert daran, wie im Laufe der Arbeiten Häuser zitterten, Nerven blank lagen, die Neuschlößer laut und heftig diskutierten – aber am Ende auch Lösungen fanden. PAN und Verein hätten viele Verhandlungen, Diskussionen und vermittelnde Gespräche geführt. “Nach fast sechs Jahren können wir sagen, alle haben dazu gelernt. Die allgemeine Zusammenarbeit läuft mittlerweile in einem guten Klima und mit gegenseitigem Respekt.”

Altlast-neuschloss.de dokumentiert die komplette Rede des Projektbeirats (pdf).

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Neuschloß in hr2 – Der Tag

“Was Du ererbt von Deinen Vätern: Das Land der Altlasten”, das ist der Titel einer 52-minütigen Hintergrundsendung der Radiowelle hr2. Es geht darin um einstürzende Bergbauten, um jene Schadstoffe, die uns schon die Römer hinterlassen haben, um politische Altlasten – und um Neuschloß. Der Regionalkorrespondent des Hessischen Rundfunks für Südhessen, Jan Garvert, stellt die Sanierung der größten bewohnten Altlast des Bundeslandes recht ausführlich und interessant vor. (Allerdings stimmt nicht, dass die Anwohner teils sechsstellige Beträge dafür zahlen müssen.)

Lehnen Sie sich eine knappe Stunde zurück – und lauschen Sie: direkt über die Webseite des HR oder als mp3-Download von dort.

PAN diskutiert mit Verwaltung und Gutachtern

Die Stadtverwaltung stellte im Frühjahr ein Gutachten zum Sodabuckel vor, das in einer Empfehlung für die Sanierung mündete. Projektbeirat und Altlastenverein schickten daraufhin einen Brief an die Fraktionsvorsitzenden in der Stadtverordnetenversammlung, die Verwaltung, den Ortsvorsteher und den Forst, in dem wir Fragen und Bedenken vortrugen. Jetzt kamen als Reaktion darauf im Stadthaus Vertreter des Projektbeirats, des zuständigen Ingenieurbüros und der Verwaltung zusammen.
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LZ fragt Bedenken des PAN ab

Die Lampertheimer Zeitung ist auf die Bedenken von Projektbeirat und Altlastenverein aufmerksam geworden, was die Gutachter-Empfehlung zur Sanierung des Sodabuckels betrifft. Redakteur Oliver Lohmann besuchte uns, um nachzufragen – heraus kam eine sehr gute Beschreibung der Lage (Bild).

Der PAN habe das Papier, das in der Empfehlung einer Sanierungsvariante mündet, “ausgiebig studiert. Und dabei sind den PAN-Mitstreitern Unklarheiten aufgefallen. Diese sollen in einem Gespräch mit der Stadtverwaltung und dem Gutachter CDM am 17. September besprochen werden.” Neben Details zu unseren Bedenken ist in der Folge auch Thema, wie sich eine ICE-Trasse bei Neuschloß auf die Altlasten auswirken könnte.
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Lorenz Kirmeier ist tot

Er hat als Vertreter der Neuschlößer mit seinem Engagement mit dazu beigetragen, dass eine der wichtigsten Grundlagen für die Altlasten-Sanierung zustande kam. Am 29. Juli 2009 ist Lorenz Kirmeier gestorben, kurz vor seinem 61. Geburtstag. Lorenz Kirmeier wurde 2000 in den Projektbeirat aufgenommen und war bis zum Sommer 2005 im Vorstand des Altlastenvereins Stellvertretender Vorsitzender.
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SPD tauscht sich mit dem PAN aus

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Die SPD-Fraktion informiert sich vor Ort über die Altlasten auf dem Sodabuckel – und legt dabei auch Wert auf die Meinung von Projektbeirat und Altlastenverein. In dem Treffen fasst Fraktionschef Hans Hahn die Lage zusammen. Die Lampertheimer Zeitung schreibt mit: “Messungen haben Ende 2008 ergeben, dass die Dioxinbelastung auch im flachen Teil des Sodabuckel-Geländes hoch ist. ‘Man muss das Areal also komplett umschichten, neu modellieren und absichern’, meinte Hahn.” Idealerweise solle danach wieder Wald wachsen. Das sei für alle Zeiten am sichersten und erspare Ersatzaufforstungen an anderer Stelle.

Zudem berichtet Hahn, der Magistrat habe den Auftrag vergeben, berechnen zu lassen, welche Mehrkosten entstünden, wenn wieder Wald wüchse. Denn die laut einem Gutachten billigste Lösung für den Sodabuckel erlaube nur Buschwerk, erinnert Oliver Lohmann in der LZ.
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Verein sammelt Unterschriften für Bila

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Der Altlastenverein informierte gemeinsam mit dem Sanierungsexperten der Stadtverwaltung, Stephan Frech, während des Bila-Aktionstags über den Zusammenhang von ICE und Altlasten. Gleich anhängerweise kamen die Interessierten vorbei. Vor dem Schloss wurden sie daran erinnert, dass der Stadtteil ohnehin seit Jahren geplagt ist. Und außerdem, dass die Altlasten jetzt vielleicht erstmals etwas Gutes bedeuten könnten.

Denn praktischerweise will die Bahn genau dort bauen, wo im Wald noch Schadstoffe liegen – was bisher nicht viele wussten. Für den Schienenkonzern bedeutet das: Er kann nicht einfach mit den Baggern anrücken und loslegen. Möglicherweise muss er eine Altlastensanierung vorschalten. Die kostet Geld und – wenn Betroffene Einspruch einlegen – vielleicht auch viel Zeit. Der Rote Hof jedenfalls, der unmittelbar an der Trasse liegt, ist unglaublich hoch mit den schwer giftigen Dioxinen verseucht – zehnmal mehr als der Sodabuckel. Und schon der hat es ja ordentlich in sich, wie Fachleute immer wieder sagen.

Am Stand sammelten wir seitenweise Unterschriften. Viele Autofahrer hielten spontan an, kamen zielstrebig an die Stellwände und fragten gleich nach ihrem Gruß: Wo kann ich unterschreiben?

ICE trifft Altlast


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Die C-Trasse würde einen Stadtteil treffen, dessen Bewohner schon viele Jahre mit Lärm, Gesund­heitsrisiken und Bauarbeiten leben müssen. Seit 1990 sind die Anwohner akut mit dem Problem Altlasten konfron­tiert – materiell und psychisch eine große Belastung. Seit 2003 müssen sie zudem die Auswirkungen der Sanierung ertragen. Manche Neu­schlößer sind bis zu drei Jahre von den Baggern und Lastwagen berührt.

Gleichzeitig könnten die Altlasten mit dem Bau der Gleise eine neue Gefährdung entwickeln. Denn auch auf der und um die geplante Trasse im Wald schlummern Schadstoffe. Bis­her sind sie nur ansatz­weise unter­sucht. Jede Erdbewe­gung könnte hier hochgradige Gifte freisetzen.

Der Projektbeirat hat eine Faktensammlung zum Thema ICE und Altlast zusammengestellt (pdf-Datei).

Eine Zusammenfassung dieser Debatte können Sie auf FR-online lesen.

Aktionstag: Projektbeirat und Verein beteiligen sich am Bila-Aktionstag. Am Samstag, 27. Juni, informieren wir vor dem Schloss über den Zusammenhang von Altlasten und ICE-Trasse – und natürlich über alles andere, was Sie wissen wollen.

Mitgliederversammlung in der Presse

Der Südhessen Morgen beschreibt zunächst die Stimmung unseres Treffens: “Das Interesse an der Mitgliederversammlung des Vereins Altlasten Neuschloß war rege. Dennoch blieben Fragen und Kritik aus den Reihen der von der Sanierung betroffenen Anwohner Mangelware. Ein Zeichen für allgemeine Zufriedenheit? Das mochte der unvoreingenommene Beobachter so sehen.” Diese Einschätzung bezieht sich auch auf die Entwürfe der Abrechnungen zur Wiederherstellung, die in diesen Tagen an einige Eigentümer von bereits sanierten Grundstücken verteilt wird.

Bei einem Thema allerdings bleiben wir laut: Ein “heißes Thema”, so der Südhessen Morgen, bleibt laut Carola Biehal der Sodabuckel.
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Der neue Vorstand ist erneut der alte

Die Mitgliederversammlung hat die Führungsspitze des Vereins komplett in ihrem Amt bestätigt – und zwar mit einem beeindruckenden Votum: Alle Kandidaten erhielten – bis auf die jeweils eigene Enthaltung – sämtliche Stimmen der anwesenden Mitglieder. Damit bleibt Carola Biehal die erste Vorsitzende, Dr. Günter Weidenauer zweiter Vorsitzender und Michael Bayer dritter Vorsitzender. Den Vorstand komplettieren Schriftführerin Gabriele Klos, Kassenwart Günter Kirchenschläger sowie Beisitzerin Helga Irrgang und Beisitzer Horst Irrgang. Das Mandat des Vorstands läuft über weitere zwei Jahre. Der alte und neue Vorstand in Personalunion dankt für das Vertrauen.

Infoblatt informiert Anwohner

InfoblattVerein und Projektbeirat informieren die Neuschlößer wieder über die Sanierung mit einem vierseitigen Infoblatt – damit auch jene Anwohner auf dem Stand der Dinge sind, die sich nicht ins Internet einklicken können. Wir haben das Papier in den vergangenen Tagen im Stadtteil in die Briefkästen gesteckt. Wer will, kann sich das Blatt hier als pdf-Dateien runterladen. Es gibt zwei Fassungen: Die Standard-Variante (Seiten 1 und 4, Seiten 2 und 3) sowie die Sonderausgabe zum Bila-Aktionstag mit einer besonderen Titelseite. Viel Spaß!